Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte unter vereinfachten Bedingungen möglich

Hintergrund

Bereits seit 1996 können beruflich Qualifizierte auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (Fachabitur, Abitur) in Rheinland-Pfalz studieren. Mit der Neuregelung des Landeshochschulgesetzes vom 01.09.2010 ist der Übergang von der beruflichen Bildung in die Hochschulen jetzt deutlich erleichtert worden. So erhalten Personen, die eine Meisterprüfung abgelegt haben, zukünftig eine unmittelbare Hochschulzugangsberechtigung für das Studium aller Fächer an Fachhochschulen und Universitäten. Studieninteressierte, die eine berufliche Ausbildung abgeschlossen haben und danach mindestens zwei Jahre beruflich tätig waren, erhalten eine Zugangsberechtigung für das Studium aller Fächer an Fachhochschulen und eine fachgebundene Zugangsberechtigung für Universitäten. Das bisher erforderliche Probestudium und die Eignungsfeststellungsprüfung entfallen.

 

Modellversuch

Im Rahmen eines bundesweit einzigartigen Modellversuchs will man nun noch einen Schritt weiter gehen und ermitteln, ob bzw. unter welchen Bedingungen auf die zweijährige Berufserfahrung verzichtet werden kann. Hintergrund ist die bislang ungeklärte Frage, ob sich die Berufstätigkeit im Anschluss an die Berufsausbildung auf den Studienerfolg eher positiv auswirkt – weil hier Kompetenzen erworben werden, die auch für ein Studium von Vorteil sind – oder aber negativ – da der Prozess strukturierten Lernens unterbrochen wird.

Ausgehend von einer Experimentierklausel im Landeshochschulgesetz werden vom Sommersemester 2011 bis zum Sommersemester 2012 an ausgewählten Standorten beruflich Qualifizierte direkt im Anschluss an ihre Berufsausbildung zum Studium zugelassen. Die Aufnahme des Studiums für beruflich Qualifizierte auch ohne die sonst geforderte zweijährige Berufserfahrung ist seit dem Sommersemester 2011 in vier ingenieurwissenschaftlichen Bachelor-Studiengängen an der Fachhochschule Koblenz (Elektrotechnik, Mechatronik, Mechanical Engineering, Bauingenieurwesen) sowie in dem berufsintegrierenden Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaftslehre der Fachhochschule Mainz möglich. Ab dem Wintersemester 2011/12 besteht diese Möglichkeit auch an der Fachhochschule Bingen in dem berufsintegrierten Bachelorstudiengang Prozesstechnik und dem Bachelorstudiengang Maschinenbau sowie an der Fachhochschule Trier in dem Bachelorstudiengang Elektrotechnik. 

 

Wissenschaftliche Begleitung des Modellversuchs durch das ZQ

Konzipiert wurde der auf die Dauer von drei Jahren angelegte Modellversuch im Rahmen einer Arbeitsgruppe des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (MBWJK). Beteiligt waren die Hochschulen und Kammern des Landes sowie das Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Letzterem obliegt  die wissenschaftliche Begleitung des Modellversuchs. Vorgesehen sind in diesem Zusammenhang folgende quantitative und qualitative Erhebungen:

  • Im Vorfeld des Modellversuchs wurden alle beruflich Qualifizierten an rheinland-pfälzischen Hochschulen über alle Hochschultypen, Studienfächer und Fachsemester hinweg befragt. (>Präsentation der ersten Ergebnisse)
  • Mithilfe von Panelbefragungen von drei Studienanfängerkohorten sollen Studienverläufe von Beruflich Qualifizierten untersucht werden. Sie umfasst alle beruflich qualifizierten Studienanfänger (mit und ohne Berufserfahrung) an rheinland-pfälzischen Hochschulen des Sommersemesters 2011. Diese erste Kohorte wird über die komplette Zeit des Bachelorstudiums begleitet, die zweite und dritte Kohorte werden bis nach dem fünften bzw. vierten Semesters befragt.
  • Ergänzend zu den quantitativen Befragungen werden Gruppendiskussionen mit beruflich qualifizierten Studierenden (mit und ohne Berufserfahrung) sowie Studierenden mit schulischer Hochschulzugangsberechtigung an den Hochschulen im Modellversuch durchgeführt. Ebenfalls geplant sind Gruppengespräche mit Lehrenden.
  • Neben der wissenschaftlichen Begleitung ist das ZQ jederzeit Ansprechpartner für die beruflich qualifizierten Studierenden an den Modellhochschulen.
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